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Hier darf ich hin ...

    Hier darf ich hin ...

    (von Christian Fischer)

    Wenn ich mir zur Zeit unseren 10 Monate alten Zwerg angucke, der mit großem Entdeckergeist auf allen 4er durch die Gegend robbt und sich versucht, an jedem Möbelstück, Hosenbein oder Wäschekorb auf die Beine zu ziehen und mich dann dieses triumphierende Grinsen im Gesicht erreicht, kann ich immer nur staunen.

     

    So lange das alles so funktioniert, wie sich das unser kleinster Zwerg vorstellt, ist alles gut. Aber wehe, wenn der Wäschekorb nachgibt und wegrutscht oder das Hosenbein doch nicht so griffig ist, wie ursprünglich angenommen. Dann sitzt sie da und ist untröstlich und dicke Tränen kullern die Wagen runter und der Mund schreit die ganze Wut und Verzweiflung heraus. Das, was sie sich vorgestellt hat, hat nicht geklappt. Auch wenn sie einen klarer Plan, wie das sein sollte, in ihrem Kopf hatte, bei der Ausführung hat es dann doch gehapert.

     

    Genau dann, kann ich immer wieder eine ganz bestimmte Situation beobachten. Bin ich da und versuche sie auf den Arm zu nehmen, sie zu trösten und ihre Tränen zu trocknen und dauert es manchmal ganz schön lange, bis sie sich beruhigt hat. Erscheint aber die Mama, so werden die Arme ausgestreckt und es ist ganz klar: Da will ich hin. Sitzt sie dann endlich da auf dem Arm oder auf dem Schoss, so ist binnen Sekunden Ruhe und unser Zwerg kuschelt sich vollkommen zufrieden an ihre Mama, so als wollte sie sagen: "Hier will ich sein, hier bin ich sicher und fühle mich rund um wohl und zufrieden!"

     

    Jeder, der selbst Kinder hat oder schon mal auf Kinder aufgepasst hat, erzähle ich mit dieser kleinen Begebenheit sicher nichts neues und trotzdem finde ich es immer wieder faszinierend, dass es immer und immer wieder funktioniert.

    Das war auch schon dem Propheten Jesaja klar, als er den Leuten von Gott erzählte und ihnen Gottes Liebe begreifbar machen wollte. Ich finde es unheimlich schön, dass das Jahr 2016 genau mit diesem wunderbaren Vergleich überschrieben ist, denn in Jesja 66,13 steht:

     

    "Gott spricht: Ich will Dich trösten wie eine Mutter sein Kind!"

     

    Für Jesja gibt es keinen Zweifel, vielleicht aus eigener Erfahrung und Beobachtung, dass Gott für mich da ist. Ganz so wie eine Mutter nie auf die Idee kommen würden, ihr Kind im Stich zu lassen, wenn es sie braucht. Zu Gott darf ich bedingungslos hinkommen. Auch hier ist jemand, der mich ganz fest in den Arm nimmt und mich birgt in den Armen, damit ich einen Moment durchatmen darf und geschützt bin, vor dem was draußen ist und mir Angst macht.

    Wer sich in dieser Welt und im nächsten Umfeld, in dem er lebt, umsieht, dem kann bei all der Not und dem Leid schon ganz anders werden, erst recht, wenn er selbst betroffen ist.

     

    Es ist mehr als menschlich, dass ich versuche, mich damit zu beschäftigen und Lösungen zu finden. Doch wenn schwere Gedanken kreisen, dann setze ich mich mit den Fragen, Zweifeln und Problemen in ein sich immer schneller drehendes Gedankenkarrusell. Dass kann leicht fertig und kaputt machen. Wie gut, dass ich noch eine zweite Alternative habe: Ich kann genau das mahen, was meine Tochter macht: Die Arme ausstrecken und mich bedingungslos an den Ort bergen, an dem ich Trost finde. Auch wenn ich nicht die Lösung aller meiner Probleme finden werde, so darf ich aber erleben und spüren: Egal was ist, Ich bin nicht alleine, weil Gott auf mich wartet und mich hält. Einfach mal durchatmen und einen anderen Blick bekommen.

     

    Ich wünsche uns, dass wir die Kraft des Trostes an Leib und Seele immer wieder spüren dürfen und uns trauen, ihn in Anspruch zu nehmen und nicht den starken Mann oder Frau spielen wollen, der so was doch nicht braucht.

    Egal ob durch Worte, eine Umarmung oder auch einem stillen gemeinsamen Teilen, Hauptsache ist, ich fühle mich geborgen. Habe ich diese Gewissheit, so kann auch ich in dieser Welt ein Stück Trost sein, weil seine Liebe durch uns scheint.

     

    Mögen wir die Kraft des Trostes spüren, um dann - wie meine Tochter- neue Kraft und Mut zu sammeln und aufbrechen zu neuen Abenteuern und Entdeckungsreisen, fest in dem Wissen. Da ist jemand, der mich liebt und stark macht.

    Ja, Gott will und wird Dich trösten, seine Arme sind frei für Dich, das finde ich wunderbar …..