Warum nur?
(von Petra Kleinauski)
Erzähl mir die Geschichte.
Es war die Zeit des jüngsten Gerichtes (Off. 20).
Eine nicht zu zählende Schar von Menschen stand vor dem großen
Throne Gottes.
Einige Menschen standen nur stumm herum, andere aber regten sich
über die Ungerechtigkeit Gottes heftig auf: "Wie kann Gott über uns
richten? Kann er überhaupt verstehen, was wir durchmachen
mussten?".
Eine farbige junge Frau zog ein Hosenbein hoch. "Seht euch die
Einschnitte eines Seiles am Bein an. Erst hat man mich von den
Liebsten getrennt. Auf einem Sklavenschiff hat man mir dann mit
Steinen beschwerte Stricke umgebunden und mich damit ersäuft, nur
weil ich schwarze bin und krank geworden war!". Ein anderer
Farbiger fügte hinzu: "Ich überlebte zwar die Überfahrt, musste
aber wie ein Tier arbeiten, wurde ständig geschlagen. Der Tod
brachte dann erst die Erlösung!"
Eine andere Frau zog den Ärmel hoch und zeigte den umher stehenden
Personen eine eintätowierte Nummer die sie im Konzentrationslager
bekommen hatte. "Weiß Gott eigentlich was ich durchmachen musste?
Der hätte auch einmal so abgeführt, misshandelt und letztlich
qualvoll umgebracht werden müssen wie ich!" fauchte sie.
Immer mehr anklagende Stimmen wurden laut, weil Gott das Leid und
das Böse in der Welt zugelassen hatte: "Der hat es doch gut im
Himmel! Dort gibt es doch weder Leid, Hass, Hunger oder Tränen! Der
hat doch keine Ahnung, was wir durchmachen mussten!!!"
Schnell wurden sie sich einig, dass Gott auch so etwas erleiden
müsste, um überhaupt gerecht richten zu können. Von überall her
kamen dazu Forderungen.
Grundforderung war, er musste als Mensch geboren werden, und zwar
nicht in einem Palast, sondern in den ärmlichsten Verhältnissen.
Das er alle seine göttliche Macht abgeben musste, war auch gleich
klar. Schließlich sollte er keine Möglichkeit haben sich selbst zu
helfen.
Ein jüdischer KZ-Häftling forderte: "Er müsste als Jude geboren
werden - nicht in einem Volk, das gerade herrscht, sondern das
beherrscht wird".
Ein uneheliches junges Mädchen gab hinzu: "Der offizielle Vater
sollte nicht der wirkliche Vater sein!"
Ein indischer Guru erklärte: "Er muss versuchen, den Menschen
begreiflich zu machen, wer Gott ist!".
Eine von der Gestapo verhaftete Frau, die später im KZ umkam, fügte
hinzu: "Vom besten Freund soll er verraten werden!".
Ein in der Drogenszene versumpfter junger Mann forderte: "Und allen
möglichen Versuchungen muss er auch ausgesetzt werden. Soll der es
erstmal schaffen denen zu widerstehen, bevor er heuchlerisch über
uns richtet!"
Ein anderer Mann meldete sich zu Wort: "Ich wurde mit falschen
Anschuldigungen von einer kommunistischen Regierung verurteilt und
hingerichtet. Gott hatte nichts gegen dieses Unrecht getan. Der
soll mal selbst so was erleiden! Der soll mal selbst erfahren wie
es ist, von allen verlassen, unschuldig verurteilt und dann
hingerichtet zu werden!"
Immer mehr Menschen brachten ihre Forderungen vor.
Doch dann sahen sie in der Ferne ein Kreuz stehen.
Das Schimpfen verstummte langsam - jeder wusste auf einmal: Gott
hatte ja schon all dies durchlitten - aus Liebe zu den Menschen!
Ja, Gott hat sich in Jesus Christus für uns geradezu 'zu Tode
geliebt'!