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Zu fromm für die Bundesliga?

    Zu fromm für die Bundesliga?

    (von Ute Sommer)

    Die Causa Schaefer hat in den letzten Tagen ein lautes Rauschen im deutschen Blätterwald verursacht.  Frank Schäfer, seit dem 24. Oktober 2010 Trainer des 1. FC Köln, führte den Traditionsverein aus der Abstiegszone und sicherte den Klassenerhalt. Kürzlich äußerte er sich im Kölner Express zu seiner Weltanschauung und bekannte sich als Christ. " Der Glaube spielt eine  Hauptrolle in meinem Leben…Gott hat die Führung in meinem Leben… ich will dass Gottes Wille geschieht, deshalb bete ich nie für Siege, sondern immer dafür, dass sein Wille geschieht". Schaefer sagte, er habe bewusst seine Religiosität im Express öffentlich gemacht. Zusammen mit seiner Frau Silke und der gemeinsamen Tochter gehört er zu einer Baptistengemeinde: "Für mich ist es klasse, dass ich über diese Schiene Leute erreichen kann. Es gibt viele Bundesliga-Profis, die gläubig  sind, manche sind sogar Prediger. Und trotzdem rasieren sie sich samstags die Knochen und suchen im Spiel ihren Vorteil".

     

    Dieses Interview  führte in Sportschau, Tageszeitungen, BILD-Zeitung und Radiosendern zu einer hitzigen Diskussion darüber, ob er als bekennender Christ denn überhaupt geeignet sei, als Trainer im Profifußball zu arbeiten. Disqualifiziert der Glaube vom Wettbewerbssport? Der Sportdirektor des 1. FC Köln, Volker Finke, grätschte sofort hinterher:  "Er ist selbst an die Öffentlichkeit gegangen und hat seinen Glauben hervorgestellt. Das ist offensichtlich der Grund für sein Problem mit dem Profi-Fußball. Er hat angedeutet, dass ihn Teile dieses Geschäfts anwidern. Es geht nun darum, ob sein Glaube mit diesem Beruf vereinbar ist".

     

    In der Fußballszene gilt Schaefer als ein ausgewiesener Fußball-Fachmann, der sich im Profisport für Werte wie Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit ausspricht ("Ich mag keine Tricks, keine Manipulationen"). Für die Kollegen sicher auch gewöhnungsbedürftig, dass er bei seinen Spielern die Geschöpfe  hinter der hochbezahlten Fassade wahrnimmt. Und im knallharten Fußballgeschäft ist es garantiert unverständlich, dass jemand den Wert eines Menschen nicht nur am Tabellenstand bemisst.

     

    Doch wie Finke es tut-direkt Unfähigkeit und die Unvereinbarkeit von Glauben und Professionalität festzustellen, ist absurd.

     

    Glücklicherweise bin ich nicht allein mit meiner Wahrnehmung:

    Schaefer selbst antwortet auf die Frage des Express, ob er zu fromm für die Bundesliga sei: "Ich kann sagen, dass genau das nicht mein Problem ist. Mein Glaube steht in keinem Zusammenhang mit meinem Job und meinen Überlegungen für die Zukunft".

     

    Bundestrainer Joachim Löw bestätigt, die Diskussion um Schaefer verfolgt zu haben. Auf die Frage, ob sich religiöse Grundwerte wie Wahrheit, Respekt und der Glaube an Gott mit den teilweise brutalen Vorgängen im Fußballgeschäft ausschließen, antwortet er: "Nein überhaupt nicht. Ich finde das Gegenteil ist der Fall. Werte wie Ehrlichkeit und Respekt sind auch im Fußballgeschäft wichtige Pfeiler".

     

    Auch Express-Kolumnist Reiner Calmund erhebt  Einspruch. "Ich bin selber gläubig, war Meßdiener….Glaube und Profifußball sind kein Widerspruch. Mit Jorginho, Lucio, Zé Roberto und Bum Kun-Cha hatten wir bei Bayer sehr gläubige Spieler".

     

    BVB-Trainer Jürgen Klopp sagt von sich selbst, dass er bekennender Christ ist: "Ich bete täglich, gehe aber nicht regelmäßig in die Kirche. Glaube spielt sich bei mir im Kopf und im Herzen ab und ist nicht an Orte gebunden. Meine Frau ist katholisch, ich bin evangelisch. Ich mag Rituale, Dinge, die dem Menschen Sicherheit und in gewisser Weise auch Trost geben. Ich finde, unser Auftrag ist, unser kleines Stückchen Erde ein bisschen schöner zu machen. Ich möchte mich so verhalten, dass es den anderen auch gut geht".

     

    Frank Schaefer wird sein Traineramt bei den Geißböcken zum Saisonende aus "persönlichen Gründen" leider niederlegen.