Zwiegespräch an der Krippe
(von Tanja Kader)
Ein kleiner Junge besucht um die Weihnachtszeit seinen
Großvater. Er schaut zu, wie der Großvater an einer Krippenfigur
schnitzt. Einige andere Figuren der Weihnachtsgeschichte stehen
schon fertig auf dem Tisch. Der Junge wird müde, legt den Arm auf
den Tisch, und zuschauend schläft er ein. Im Traum werden die
Figuren lebendig, und er ist mitten unter ihnen. Er geht mit in den
Stall von Bethlehem und schaut das Jesuskind an.
"Ich möchte gerne drei Dinge von dir haben", sagt das
Jesuskind.
Und der Junge sagt eifrig: "Meinen neuen Mantel, meine
elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch mit den bunten
Bildern?"
"Nein", erwidert das Jesuskind, "das brauche ich nicht. Ich
möchte von dir etwas anderes haben! - Schenk mir deinen letzten
Deutschaufsatz!" sagt das Jesuskind leise.
Der Junge erschrickt: "Da hat doch der Lehrer 'ungenügend'
drunter geschrieben!" "Eben deshalb will ich ihn haben. Bringst du
mir immer alles, wo 'ungenügend' darunter steht?"
"Gern", sagt der Junge.
"Und dann möchte ich zweitens von dir deinen Milchbecher!"
"Aber den habe ich doch zerbrochen!"
"Willst du mir immer alles bringen, was in deinem Leben
zerbrochen ist?" fragt das Jesuskind. "Und nun mein dritter Wunsch:
Du sollst mir noch die Antwort bringen, die du deiner Mutter gabst,
als sie dich nach dem Milchbecher fragte."
Da weint der Junge bitterlich und schluchzt. "Da habe ich doch
gelogen, er wäre mir heruntergefallen. In Wahrheit habe ich den
Becher absichtlich auf den Boden geworfen."
"Ja, du sollst mir immer alle deine Lügen, deinen Trotz, dein
Böses, was du getan hast, bringen, damit ich dir helfen und dir
vergeben, dich heilen und verändern kann!"
Da wacht der Junge auf und weiß plötzlich, warum Gott Mensch
geworden ist, und warum Jesus als Heiland geboren wurde: damit er
alles Ungenügende, Zerbrochene und Böse heilen und verwandeln
kann.
Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu
machen was verloren ist.
Lukas 19,10
Ich wünsche alle Lesern eine besinnliche Adventszeit und ein
gesegnetes Weihnachtsfest.
Tanja Kader