von Chrisi Wölk

 

„Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria. Die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete ihr und sagte: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eines aber tut not. Maria hat das gute Teil erwählt. Das soll nicht von ihr genommen werden.“ (Lukas 10,38-42)

Die Geschichte beschäftigt mich immer wieder. Zu gut kann ich beide Seiten nachvollziehen: nicht zu selten kommt es vor, dass wir rennen und machen und tun, um alles unter einen Hut zu bekommen und jedem gerecht zu werden. Wie wir uns andauernd von der Pflicht hetzen lassen und uns über die ärgern, die die Dinge gelassener angehen und wie wir in all der Erschöpfung und dem Stress uns hin und wieder sorgen, ob wir unsere Tage nicht mit unwichtigen Dingen füllen und dabei das wirklich wichtige aus den Augen verlieren.

Mich macht es fertig, dass der fleißigen Schwester in dieser Geschichte nicht der Rücken gestärkt wird.

Mich macht es fertig, dass es so klingt, als wäre all die banale Hausarbeit nicht wichtig.

Mich macht es fertig, dass Maria nicht gescholten, sondern verteidigt wird – es fühlt sich an, als fiele ich 15 Jahre zurück in der Zeit in die Kindheit und erlebe noch einmal all die Streitigkeiten, warum denn ausgerechnet ich jetzt die Spülmaschine ausräumen soll oder das Wohnzimmer saugen und den Eltern generell im Haushalt helfen soll, wenn doch eigentlich meine Schwester dran wäre.

Ja. Wir haben jede Menge Sorgen und Mühe.

Ja. Es wächst uns manchmal über den Kopf.

Ja. Das fordert uns heraus.

Jesus zieht vor Beginn der Geschichte durch das Land. Jeder Vogel hatte ein Nest, jeder Fuchs einen Bau, nur er war gänzlich ohne eigenes Haus. Aber er hatte eine Botschaft. Er hatte etwas zu sagen, das Menschen anzog und faszinierte und sie drängte, es anderen weiter zu erzählen. In alle Richtungen ließen sie sich von ihm aussenden und liefen ihm nach, damit er ihnen erklärte, wie dieses Reich, von dem er andauernd redete, sein würde. Er wurde danach gefragt!

Und manchem war unglaublich wichtig zu wissen, was besonders wichtig war, um in Gottes Reich zu kommen. Darum erzählte er das Gleichnis des barmherzigen Samariters. Eine Geschichte die die Bedeutung von dem Dienst am nächsten verdeutlicht.

Doch gleich im nächsten Vers beginnt der behandelte Text von Maria und Marta.

Marta tut genau das, was eben noch das Richtige war. Wie der Samariter, der sich um das elende Opfer der Räuber kümmerte, so nahm sie den sicherlich müden und staubigen Wanderer in ihr Haus auf und gab ihm zu essen und zu trinken und tat, was irgend in ihrer Macht stand, damit er Kräfte schöpfen und sich erholen konnte. Es schien ihr das Richtige und Selbstverständliche in diesem Moment zu sein und dennoch wurde sie ganz und gar in Frage gestellt.

Die Geschichte des Barmherzigen Samariters schließt mit der Aufforderung: „So geh hin und tu desgleichen!“ ab.
All das scheint plötzlich nicht mehr das Richtige zu sein.

Die Geschichte von Maria und Marta lehrt, ob es uns ärgert oder nicht, dass fleißige Arbeit allein nicht reicht, sonst werden wir wie ein Hamster in seinem Hamsterrad und brennen irgendwann aus. Diese Geschichte ermahnt uns, hin und wieder den Kreislauf unseres Schaffens zu unterbrechen und das große Rad unserer durchgehenden Aktivität anzuhalten – nicht, indem wir auf Selbstfindungstour gehen und in uns hineinzuhorchen und dann vielleicht vor Angst erstarren, ob wir uns an der richtigen Stelle verausgaben.

Vielmehr erinnert uns dieser Text an die heilsame Unterbrechung, die wir erleben, wenn wir uns Gott zuwenden und auf sein Wort hören und Gemeinschaft in seinem Namen haben. Denn Maria zieht sich ja nicht irgendwohin zurück. Sie setzt sich zu Jesu Füßen. Sie zehrt von seiner Nähe. Und hört auf sein Wort. So dient sie ihm doch auch, oder etwa nicht?

Das stimmt ohne Frage. Aber klar ist auch: Jesus sagt „Maria hat das gute Teil erwählt. Das soll nicht von ihr genommen werden.“ Mit anderen Worten: Es ist unerlässlich, ab und zu alles liegen zu lassen, was wir schnell noch erledigen wollten. Es ist unerlässlich, unser Leben nicht nur über den Wert und Erfolg unserer Arbeit zu definieren. An Maria spürt man förmlich, wie gut es ihr tut und Jesus macht ihr Mut, daran festzuhalten. Jetzt in diesem Moment sind das Innehalten, Atemholen und Zuhören genau richtig. Alles andere läuft nicht davon und wird auch nachher noch getan werden können.

Hörend, ganz und gar Ohr, nimmt Maria auf, was Jesus zu sagen hat und erinnert damit an die Haltung seiner Mutter, die selbst all die kostbaren Worte in ihrem Herzen behielt. So hilft uns diese Geschichte vielleicht, uns daran zu erinnern, dass wir auch vom Hören leben und sie hilft uns in der Balance zu bleiben und zeigt nicht zuletzt all denen, die nicht mehr wirtschaften und arbeiten können, dass es auch ohne diese Tätigkeiten einen Ort gibt, den sie durch und durch aufsuchen können ohne dafür körperliche Arbeit zu verrichten oder ähnliches.

Ich wünsche allen, die eine solche Pause brauchen, dass sie durch Gott eine Auszeit finden können und wieder Kraft schöpfen um dadurch vielleicht anderen die Zeit für eine Pause verschaffen, die sie wiederum brauchen.