von Pfr. Judith Krüger

Wir sitzen am Strand. Es ist schön warm, die Sonne scheint und glitzert auf dem Wasser, viele Menschen sind hier, Kinder rennen über den Strand, buddeln im Sand, sammeln Steine und Muscheln.

Und dann ist da das Meer. Einige gehen gerne rein, springen und toben und wollen gar nicht wieder raus. Andere stehen am Ufer. Schauen den anderen zu, aber reingehen…. Neee. Das Wasser ist kalt. Und salzig. Und dann weiß man ja gar nicht, was da sonst noch so rumschwimmt. Quallen, oder Krebse… oder wer weiß was noch. Und dann ist da ja auch noch die Strömung und die Wellen – das ist einfach zu unberechenbar.

Manche Leute begegnen dieser Unberechenbarkeit mit Sicherheitsvorkehrungen: Neopren Anzüge, Schwimmschuhe, Schwimmwesten, Rettungswesten, Badekappen… all das tragen jetzt auch Kinder, die im Meer planschen.

Dabei gibt es natürlich auch immer noch die Fraktion, die wenig, oder auch Kinder, die gar nichts anhaben, wenn sie mit ihren Eltern zusammen ins Wasser gehen.

Die meisten Kinder sind zunächst einmal unbeschwert. Sie wissen nichts von eventuellen Gefahren. Das Wasser ist kühl und nass, es macht Spaß, zu spritzen und zu planschen. Meine einjährige Tochter ist ins Meer gestiefelt, als wäre es eine lauwarme sichere Badewanne.

Dieses Verhalten fasziniert mich. Da ist ein Urvertrauen in die Welt, dass alles gut ist. Dass es nichts gibt, wovor man Angst haben müsste. Wasser ist toll und macht Spaß – also los.

Dieses Vertrauen, dieser blinde Glaube, vielleicht ist es das, wovon Jesus im Matthäusevangelium spricht. Im Kapitel 18 stellt er ein Kind in die Mitte von Erwachsenen und sagt:

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.“

Warum sagt Jesus das? Weil wir Erwachsenen ängstlich und sorgenvoll sind. Wir wissen um Gefahren, wir wissen, was passieren kann, kennen Gefahren und wollen sie einschätzen. Wir laufen nicht blindlings irgendwo lang, im Vertrauen darauf, dass es schon gut und schön wird. Wir wollen so viel Sicherheit wie möglich. Das ist total verständlich.

Aber sich auf Gott einlassen heißt viele Sicherheiten loszulassen. Weil Gott sagt: wir sollen ihm vertrauen. Das ist manchmal eine Gratwanderung. Denn ein Sicherheitsnetz, ein Rettungsseil, eine Rettungsweste machen in bestimmten Situationen natürlich trotzdem Sinn. Und was Jesus meint ist ja nicht: Seid leichtsinnig, mit Gott an eurer Seite gibt es keine Gefahren!

Nein, was er meint ist: Verlass dich nicht allein auf deinen Verstand. Denn dein Verstand erzählt dir von Plänen, und Risiken und Gefahren. Er will Sicherheit und Klarheit. Aber in diesen Dingen ist Gott nicht gut zu finden. Denn Gott braucht Spielraum, um wirken zu können. Er braucht Freiraum, in dem er dir den Weg zeigen darf. Er braucht Zeit und Stille, um zu dir zu sprechen. Um dir von sich und seinen Plänen und Ideen zu erzählen. Wenn wir dauerhaft damit beschäftigt sind, uns abzusichern, alle Risiken abzuwägen und Gefahren auszumerzen, Pläne zu schmieden, damit alles Plan läuft – dann, so sagt Jesus, werden wir nicht ins Himmelreich kommen – und das heißt: du wirst Gott in deinem Leben nicht erleben. Hier geht’s nicht um die Phrase: „Wenn du das nicht machst, wirst du später nicht in den Himmel kommen!“

Hier geht’s nicht um jenseits. Es geht ums diesseits. Ums JETZT. Vertraust du HEUTE Gott?! Gehst du mit ihm, im festen Glauben, dass er dich schon führen wird? Bist du bereit, unbekannte, vielleicht unbequeme Wege einzuschlagen, die er für dich bereit hält? Wie ein Kleinkind, dass geradewegs ins Meer watet, im festen Vertrauen, dass nichts schlimmeres passieren wird, weil es jemanden gibt, der auf es aufpasst?

Bist du bereit, dich auf das Abenteuer „Kleinkind-Glauben“ einzulassen und dann zu sehen, was passiert? Ich bin mir sicher, dass Gott so viel für uns bereit hält, so viele Ideen mit uns hat, die wir aber mit unserem erwachsenen Denken einfach nicht immer hören und entdecken können.

Ich wünsche dir den Mut, dich auf diesen Gott einzulassen. Die Komfortzone zu verlassen, den Verstand auszublenden und den kindlichen Glauben, dieses Urvertrauen zu finden und auf ihn zu setzen. Er wird dich nicht enttäuschen. Amen